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Das Kreuz und die Freude. Eine pastoralpsychologische Untersuchung zur Depressivität bei Seelsorgenden.

  • Das Kreuz und die Freude: Eine internationale und überkonfessionelle Untersuchung zur Depressivität bei Seelsorgenden Depressionen sind nicht nur ein Thema für die Seelsorge. Auch Seelsorgende selbst können unter Depressionen leiden. Aber was ist eigentlich unter dem Phänomen Depression zu verstehen und wie zeigt es sich bei Seelsorgenden? Wie depressiv sind christliche Seelsorgende – weltweit und speziell in Deutschland? Sind sie mehr oder weniger depressiv als andere Menschen? Welche Vulnerabilitäten und Gesundheitsressourcen lassen sich bei Seelsorgenden ausmachen? Und welche Implikationen ergeben sich daraus für die Theologie? Die vorliegende empirische Untersuchung stellt die erste umfassende internationale und überkonfessionelle pastoralpsychologische Studie zu diesem Fragenkomplex dar. Ausgangspunkt der Untersuchung (Einleitung) bilden eine Vielzahl von Zeugnissen von Priestern und Pfarrern, die Depressionen erlebt haben. Diese Zeugnisse legen den Verdacht nahe, dass Depressionen ein noch zu wenig beachtetes Phänomen unter Seelsorgenden sind. Im I. Teil dieser Untersuchung werden die notwendigen Grundlagen gelegt, indem für das Thema essentielle Begriffe geklärt werden: Was sind Anliegen und Methode der Pastoralpsychologie? Was wird klinisch-psychologisch unter Depression verstanden? Wie unterscheiden sich Depression und Burn-out beziehungsweise Depression und Geistliche Krisen? Depression wird in dieser Studie nach dem Diathese-Stress-Modell als bio-psycho-soziales Krankheitsphänomen verstanden, das ein vielgestaltiges, multidimensionales Spektrum von leichten Verstimmungen bis hin zu schwerwiegenden behandlungsbedürftigen Erkrankungen bildet. Grundlegend sind Depressionen durch „einen schwer beschreibbaren, quälenden Verlust an Lebensfreude, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden“ (Payk, 2010, S. 9) gekennzeichnet. Die detaillierten Kriterien für Symptomatik und Diagnose werden ICD-10 beziehungsweise DSM-V entnommen. Ein kurzer Überblick über die internationale und regionale (Deutschland, USA) Epidemiologie wird geboten; biologische, psychologische und soziale Erklärungsmodelle für Depressionen werden kurz dargestellt und es wird ein Ausblick auf die aktuelle Praxis der Therapie gegeben. Ausführlicher wird die problematische Differenzierung von Depression und Burn-out behandelt. Der Autor dieser Studie plädiert aufgrund von Erkenntnissen aus der empirischen Forschung und aufgrund theoretisch-diagnostischer Überlegungen dafür Burnout als eine Art von Depressivität und nicht als eigenständiges Krankheitsbild zu behandeln. Als Form depressiven Erlebens wird Burnout bei Seelsorgenden in dieser Studie berücksichtigt. Nicht berücksichtigt wird in dieser Studie das Phänomen geistlicher Krisen („Dunkle Nacht der Seele“), welches zwar Überscheidungen mit Depressionen haben kann, aber dennoch ein genuin spirituelles Phänomen im Sinn einer Wachstumskrise in der Gottesbeziehung darstellt. Um die Bandbreite depressiver Phänomene besser zu differenzieren, wird in dieser Arbeit begrifflich zwischen Depression (klinisch diagnostizierte Erkrankung nach ICD/DSM-Kriterien) und Depressivität (vorhandene depressive Symptomatik, zum Beispiel mit Fragebögen gemessene Depression oder Burnout) unterschieden. Im II. Teil dieser Untersuchung wird der internationale empirische Forschungsstand zur Depressivität bei christlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern ausgewertet. Rund 50 Studien von 1990 bis 2021, die sich empirisch mittels psychologischer Testverfahren mit der Depressivität bei Seelsorgenden beschäftigt haben, wurden vom Autor analysiert. Die Analyse des Forschungsstandes erfolgte gegliedert nach Kontinenten (Nordamerika, Australien, Südamerika, Asien, Afrika, Europa). Die Erkenntnisse aus diesen Studien werden gesammelt, in neun Thesen zusammengefasst und kritisch diskutiert. Die überwiegende Mehrheit der Studien hat katholische oder methodistische Seelsorgende untersucht, während andere Konfessionen nur etwa halb so oft vertreten sind. Werden alle Studien zusammengenommen, so umfassen sie Daten von mehr als 17.500 Seelsorgenden (ohne die Deutsche Seelsorgestudie). Die Seelsorger (♂) sind dabei eindeutig in der Mehrheit. In nicht-katholischen Studien überwiegen die verheirateten Seelsorgenden (65-89.5%). Die Punktprävalenzen für die Depressivität schwanken (ohne die Ausreißer-Studien) gerundet zwischen 9 bis 20%. Da ein unmittelbares Vergleichen der Studien untereinander schwierig ist, weil unterschiedliche Messmethoden verwendet wurden und die Ergebnisse nicht einheitlich dargestellt werden, wird der Gesamtdurchschnitt der Prävalenzen für die beiden häufigsten Testverfahren, den PHQ und den CES-D berechnet. Als durchschnittliche Punktprävalenz ergibt sich für den PHQ 11.5% und für den CES-D 37.9%. Damit liegen die Seelsorgenden höher als in der Allgemeinbevölkerung beziehungsweise als in bekannten Vergleichsgruppen. Insgesamt lassen sich keine konfessionellen Unterschiede in der Depressivität erkennen. Die Mehrheit der Studien berichten, dass die Werte für Depressivität bei Seelsorgenden höher sind als in der betreffenden Allgemeinbevölkerung beziehungsweise als in herangezogenen Vergleichsgruppen. Nur zwei Studien berichten in etwa gleichhohe Werte. Ebenfalls nur zwei Studien haben niedrigere Depressivitätswerte bei Seelsorgenden als in Vergleichsgruppen gemessen. Daten zur 12-Monats-Prävalenz und zur Lebenszeitprävalenz von Depressivität bei Seelsorgenden liegen nicht ausreichend vor. Aus der empirischen Forschung ergeben sich neun wesentliche Erkenntnisse zur Depressivität bei Seelsorgenden: 1. Seelsorgende sind von erhöhter Depressivität betroffen. Das gilt international und konfessionsübergreifend. Dieses Ergebnis ist ein Hinweis auf ein hohes Maß an psychischen Belastungen unter Seelsorgenden. Die bekannten epidemiologischen Zusammenhänge zur Depressivität finden sich auch bei Seelsorgenden: Seelsorgerinnen (♀) sind stärker betroffen als Seelsorger (♂); Jüngere stärker als Ältere. Bemerkenswert ist, dass gerade auch die Seelsorger eine auffällig höhere Depressivität berichten als Vergleichsgruppen. 2. Seelsorgende sind nicht mehr von Burnout betroffen als andere Berufsgruppen. Seelsorgende haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung und im Vergleich zu passenden Berufsgruppen gleichhohe oder tendenziell sogar niedrigere Burnoutwerte. Es zeigt sich, dass kein oder nur ein geringer Zusammenhang zwischen Arbeitslast und Burnout bei Seelsorgenden besteht. Zwar berichten Seelsorgende weltweit hohe Arbeitsbelastungen, allerdings führen diese offensichtlich nicht zwangsläufig zu erhöhten Burnoutraten. Es liegt der Verdacht nahe, dass Seelsorgende unter dem Begriff Burnout ihre erhöhte Depressivität kommunizieren. 3. Seelsorgende mit mehr sozialen Ressourcen sind weniger von Depressivität betroffen. Soziale Unterstützung ist verbunden mit weniger Depressivität (Freundschaften und Familie, ein positives Verhältnis zur Gemeinde und zu Vorgesetzten). Soziale Isolation und empfundene Einsamkeit sind dagegen mit mehr Depressivität verbunden. 4. Seelsorgende, die ihre Spiritualität leben, sind weniger von Depressivität betroffen. Seelsorgende mit einer positiv erlebten, regelmäßigen religiösen Praxis und mit einem hohen spirituellen Wohlbefinden berichten von weniger Depressivität. Umgekehrt sind geistliche Krisen mit mehr Depressivität assoziiert. 5. Seelsorgende, die Sinn und Zufriedenheit in ihrer Berufung erleben, sind weniger von Depressivität betroffen. Die Lebens- und Berufungszufriedenheit, „the sense of a clear vocational direction“ (Knox et al., 2005, S. 151) und das Sinnerleben in der Arbeit zeigen bei Seelsorgenden einen negativen Zusammenhang mit der Depressivität. 6. Seelsorgende mit vulnerablen Persönlichkeiten sind stärker von Depressivität betroffen. Instabile und extrinsisch orientierte Seelsorgende mit hohen Neurotizismuswerten und hoher Selbstaufmerksamkeit berichten von mehr Depressivität. 7. Seelsorgende, die Gratifikationskrisen erleben, sind stärker von Depressivität betroffen. Bei Seelsorgenden zeigt sich, dass effort-reward imbalancement und overcommittment mit mehr Depressivität assoziiert sind. Mangelnder beruflicher Erfolg, finanzielle Sorgen und hohe Ansprüche aus der Gemeinde, von Seiten der Vorgesetzten oder auch an sich selbst, hängen mit erhöhter Depressivität zusammen. 8. Seelsorgende, deren Lebenswelt von Unsicherheit und Niedergang geprägt ist, sind stärker von Depressivität betroffen. Ein depressivitätsfördernder Einfluss von Krisenerfahrungen (zum Beispiel Transformationen durch Säkularisierung, Skandale in der Kirche, Autoritäts- und Bedeutungsverlust von Glauben) lässt sich erkennen. 9. Seelsorgende berichten dennoch international und konfessionsübergreifend von einer hohen Lebenszufriedenheit. Seelsorgende sind also trotz der erhöhten Depressivität nicht einfach nur depressive, sondern zugleich lebensfrohe, glückliche Menschen. Als Fazit aus den neun Thesen lässt sich festhalten, dass Seelsorgende die gleichen Vulnerabilitäten und Ressourcen in Bezug auf Depressivität haben wie alle Menschen. Dennoch finden sich auch Faktoren, die spezifisch für Seelsorgende sind – insbesondere die Spiritualität, das Berufungsbewusstsein und die Problematik der Säkularisierung als ein Passungsproblem von Person und umgebender Kultur. Die empirischen Ergebnisse sind kritisch zu reflektieren. Es gibt eine ganze Reihe von Einschränkungen und Limitationen. Besonders muss berücksichtigt werden, dass die Studien aus sehr unterschiedlichen konfessionellen, nationalen, sozialen und kulturellen Kontexten stammen. Die Stichproben sind in vielen Fällen zu klein und nicht ausreichend repräsentativ. Es existieren vielfach auch keine passenden Vergleichsgruppen, sodass die Ergebnisse nicht angemessen eingeordnet werden können (etwa im Vergleich zu Helferberufen). Es existieren zu wenige qualitative Studien und Langzeitstudien. Es lassen sich eine Reihe von seelsorgendenspezifischen Verzerrungseffekten ausmachen (zum Beispiel die krisenhafte Lebenswelt von Seelsorgenden), sodass die psychologischen Messinstrumente teilweise problematisch erscheinen (erkennbar zum Beispiel an der großen Differenz zwischen den Prävalenzen von PHQ und CES-D. Entscheidend ist also nicht nur was gemessen wurde, sondern auch wie gemessen wurde!). Die Thesen stützen sich im Wesentlichen auf Korrelationen, die keine Kausalität bedeuten. Wichtig ist schließlich festzuhalten, dass die erhöhten Depressivitätswerte nicht auf eine erhöhte Pathologie depressiver Erkrankungen unter Seelsorgenden schließen lassen. Im III. Teil dieser Studie wird vom Autor erstmals die Deutsche Seelsorgestudie zur Gesundheit von katholischen Seelsorgenden in Deutschland aus den Jahren 2012-2014 im Hinblick auf die Depressivität ausgewertet. Ergänzt wird die eigene Auswertung des Autors durch die Erkenntnisse aus der Literatur zur Deutschen Seelsorgestudie. Die Stichprobe der Deutschen Seelsorgestudie umfasst 8.574 Seelsorgende (Durchschnittsalter 56.2 Jahre), aus den Berufsgruppen von Priestern (♂, 48.5%), Diakonen (♂, 12.1%), Pastoralreferenten (♂♀, 17.7%) und Gemeindereferenten (♂♀, 21.7%). Damit handelt es sich um die größte Stichprobe von Seelsorgenden (42% Rücklaufquote), die in dieser Untersuchung berücksichtigt wird. Gemessen wurde die Depressivität mit der Skala Depr-6 des Brief Symptom Inventory (BSI-18). Die Ergebnisse wurden sowohl als Mittelwerte als auch als T-Werte analysiert und untereinander, sowie mit der Allgemeinbevölkerung und mit passenden Vergleichsgruppen von österreichischen Religionslehrern und amerikanischen Priestern verglichen. 18.5% aller deutschen Seelsorgenden liegen über dem Grenzwert (caseness) der Skala Depressivität des BSI-18. Aus den Vergleichen lässt sich ableiten, dass deutsche Seelsorgende eine erhöhte psychosomatische Belastung berichten: Deutsche Seelsorgende berichten eine höhere Depressivität als die Allgemeinbevölkerung, liegen aber deutlich unter den Werten klinisch auffälliger Vergleichsgruppen (Patienten mit einer Depressionsdiagnose) (3½ - 4½mal niedriger!). Die Seelsorgenden scheinen zumindest ähnlich depressiv belastet wie österreichische Lehrer (♂♀), Sozialarbeiter (♂♀) und Studenten (♂♀). Priester berichten die höchste depressive Belastung. Deutsche Priester berichten überraschenderweise auch eine fast 4-mal höhere psychosomatische Belastung als amerikanische Priester. Die Ergebnisse lassen keine pathologische Deutung zu. Im IV. Teil der Studie werden in drei Essays pastoralpsychologische und theologische Erwägungen über die empirischen Erkenntnisse angestellt. Dabei wird drei zentralen Fragen nachgegangen: Wie sollte die Kirche mit der Depressivität ihrer Seelsorgenden umgehen? Welche Gründe gibt es für die erhöhte Depressivität bei Seelsorgenden? Welcher Sinn kann in der Depression gefunden werden? Im ersten Essay wird konkreten praktischen Handlungsoptionen der Kirche angesichts der depressiven Belastung von Seelsorgenden nachgegangen. Der Autor plädiert für ein heilsames Handeln als doppelten Umgang mit depressiven Seelsorgenden aus medizinisch-psychologischer Behandlung state of the art und theologisch-salutogenetischem Heilsverständnis. Besonders wichtig erscheint hier das Angebot medizinisch-psychologischer Hilfe, die Entstigmatisierung von Betroffenen, die Entwicklung eines salutogenetischen Lebensstils unter Seelsorgenden und die ganzheitliche christliche Perspektive von Heil im Unheil, Zuwendung zum Kranken und Kritik an einer Utopie vollkommener Gesundheit. Im zweiten Essay wird genauer nach möglichen Ursachen für die erhöhte Depressivität von Seelsorgenden gefragt. Hier lassen sich eine Reihe von psychologischen und sozialen Faktoren mit hohem Erklärungswert ausmachen: berufsbedingte Faktoren (Seelsorgende als „crisis people“ (Raj & Dean, 2005, S. 166)); Überidentifikation von Beruf, Berufung und Arbeit; Einsamkeit beziehungsweise fehlende soziale Beziehungen; vulnerable, emotionszentrierte und ausgeprägt sensible Persönlichkeitsstrukturen (konstitutionelle Vulnerabilität als Ressource und Risiko in der Seelsorge); individuelle und organisationale Selektionsprozesse (tendenziell depressivere Persönlichkeiten finden sich in der Umwelt von kirchlichen Strukturen); Erfahrung von Gratifikationskrisen und von Krisen in der Kirche und damit verbundene Verzerrungen der Messungen (Seelsorgende mit ihrem Idealismus sind vielleicht mehr von Frustration als von Depression betroffen; innerkirchliche depressive Dynamiken). Im dritten Essay wird schließlich ein theologischer Perspektivwechsel auf die Depressivität vorgeschlagen, der ein befreiend sinnvolles Potential in der Depressivität entfalten will. Ausgangspunkt ist der Aufsatz von Romano Guardini „Vom Sinn der Schwermut“ (1928). Bei aller gebotenen Zurückhaltung von Sinndeutungen, die immer nur individuell und subjektiv angenommen werden können und daher als Sinnangebot zu verstehen sind, kann der christliche Glaube eine objektive Gesamtdeutung der Depression beziehungsweise Depressivität wagen. So kann nach sinnvollen Seiten der Depression, also dem Guten im Schlechten gesucht werden. Auch kann die Depression als anthropologische Erfahrung einer existenziellen Vulnerabilität des Menschen gedeutet werden. Die existenzielle Vulnerabilität stellt den Menschen dabei vor die Aufgabe der Annahme der eigenen Endlichkeit und der adäquaten Antwort auf das liebende Gottes- und Selbstverhältnis („Der Sinn des Menschen ist, lebendige Grenze zu sein und dieses Leben der Grenze auf sich zu nehmen und durchzutragen.“ (Guardini, 1928/1983, S. 56)). Die existenzielle Verwundbarkeit kann dabei Ausdruck in der Haltung des „verwundeten Heilers“ finden – einer Metapher, die für das seelsorgliche Handeln fruchtbar sein kann. Schließlich kann die Depression in der umwertenden Theologie von Paulus in einer paradoxen Dialektik von Kreuz (Mt 5,4; 16,24) und Freude (Joh 15,11; Phil 4,4) betrachtet werden. „Durch das Kreuz Jesu Christi wird die Erfahrung der Destruktion des Menschlichen zum Ort der Erfahrung des Lebens, der Kraft und der Fülle Gottes“ (Jacobs, 2000, S. 514). Gegen alle Erfahrung ereignet sich die Wende vom Kreuz zur Freude, auch wenn es im Jetzt noch nicht fassbar ist. Seelsorgende könnten so im Kreuz die „Zeit der Gnade“ (2Kor 6,2) erkennen, die jenseits eigener, nicht heilsidentischer Erfahrung zur tieferen Freude wird, weil sich gerade hierin Heil für sie selbst und für andere ereignet. Daraus kann wiederum Hoffnung für alle Opfer der Depression erwachsen (insbesondere auch stellvertretend für alle, die aufgrund einer Depression Suizid begingen). „Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2Kor 12,10). Seelsorgende können so das je Größere von Gott her erwarten und trotzdem handlungsfähig bleiben.
  • English abstract: The cross and the joy – an international cross-denominational investigation on depression and depressivity among Christian pastoral ministers and clergy Depression is not only an issue for pastoral care. Pastoral ministers themselves can also suffer from depression. Numerous testimonies from priests and pastors who have experienced depression provide an introduction to the topic and suggest that depression is still an under-recognized phenomenon among clergy. But what is actually meant by the phenomenon of depression and how does it manifest itself among pastoral ministers? How depressed are Christian clergy – worldwide and especially in Germany? Are they more or less depressed than other people? What vulnerabilities and health resources can be identified among pastors? And what are the implications for theology? This empirical study represents the first comprehensive international and cross-denominational pastoral psychological study on this complex of questions. In Part I of this study, the necessary foundations are laid by clarifying essential terms for the topic: What are the concerns and methods of pastoral psychology? What is understood by depression in clinical psychology? What is the difference between depression and burn-out or depression and spiritual struggles? In this study, depression is understood according to the diathesis-stress model as a bio-psycho-social disease phenomenon that forms a multifaceted, multidimensional spectrum ranging from mild negative moods to serious depressive disorders requiring treatment. Depression is characterized by „a difficult-to-describe, agonizing loss of vitality, performance, and well-being” (Payk, 2010, p. 9). The detailed criteria for symptomatology and diagnosis are taken from ICD-10 and DSM-V. A brief overview of international and regional (Germany, USA) epidemiology is provided; biological, psychological, and social explanatory models for depression are briefly presented, and an outlook on the current practice of therapy is provided. The problematic distinction between depression and burnout is discussed in more detail. Based on findings from empirical research and on theoretical-diagnostic considerations, the author of this study argues for treating burnout as a form of depressive experience rather than as an independent disease. Burnout among pastoral ministers is considered in this research as a form of depressivity. Not considered in this study is the phenomenon of spiritual crises („dark night of the soul”), which may have overlaps with depression, but still represents a genuinely spiritual phenomenon in the sense of a growth crisis in the relationship with God. In order to better differentiate the range of depressive phenomena, a conceptual distinction is made in this study between depression (clinically diagnosed illness according to ICD/DSM criteria) and depressivity/depressiveness (existing depressive symptoms, for example, depression or burnout measured with screening questionnaires). In Part II of this study, the international empirical state of research on depressivity among Christian pastoral ministers is evaluated. Approximately 50 studies from 1990 to 2021 that empirically investigated depressivity in pastoral ministers using psychological testing procedures were analyzed by the author. The analysis of the state of research was structured by continent (North America, Australia, South America, Asia, Africa, Europe). The findings from these studies are collected, summarized in nine theses and critically discussed. The vast majority of studies have examined Catholic or Methodist clergy, while other denominations are represented only about half as often. If all studies are taken together, they include data from more than 17.500 pastoral ministers (excluding the German Pastoral Care Study). Male pastors (♂) are clearly in the majority. In non-Catholic studies, married pastoral ministers predominate (65-89.5%). The point prevalence for depressivity ranges (excluding four outlier studies) from 9% to 20%, rounded. Because it is difficult to directly compare the studies with each other because different measurement methods were used and the results are not presented consistently, the overall average prevalences are calculated for the two most common screening instruments, the PHQ and the CES-D. The average point prevalence is 11.5% for the PHQ and 37.9% for the CES-D. Thus, pastors score higher than the general population and known comparison groups, respectively. Overall, no denominational differences in depressiveness can be identified. The majority of studies report that the scores for depressiveness are higher among pastors than in the general population in question or than in the comparison groups used. Only two studies report roughly equal scores. Likewise, only two studies measured lower depression scores among pastoral ministers than in comparison groups. Data on 12-month prevalence and lifetime prevalence of depressiveness among pastoral ministers is not sufficiently available. From empirical research, nine major findings emerge regarding depressivity among clergy: 1. Pastors are affected by increased depressivity. This is true internationally and across denominations. This finding is indicative of a high level of psychological distress among pastoral ministers. The known epidemiological correlations to depressiveness are also found among pastors: Women pastors (♀) are more affected than male pastors (♂); younger ones more than older ones. It is noteworthy that male pastors and priests in particular also report a strikingly higher level of depression than male comparison groups. 2. Pastors are not more affected by burnout than other professional groups. Pastoral ministers have equally high or even lower burnout values compared to the general population and compared to similar occupational groups. It appears that there is little or no relationship between workload and burnout among chaplains. Although pastors worldwide report high workloads, these obviously do not necessarily lead to increased burnout rates. It is suspected that pastors use the term burnout to communicate their increased depressiveness. 3. Pastors with more social resources are less affected by depressiveness. Social support (friendships, family, a positive relationship with the congregation and superiors) is associated with less depressivity. Social isolation and perceived loneliness, on the other hand, are associated with more depressivity. 4. Pastors who live their spirituality are less affected by depressiveness. Pastors with a positively experienced regular religious practice and with high spiritual well-being report less depressivity. Conversely, spiritual crises are associated with more depressivity. 5. Pastors who experience meaning and satisfaction in their vocation are less affected by depressivity. Life and vocation satisfaction, „the sense of a clear vocational direction” (Knox et al., 2005, p. 151), and sense of meaning in work show a negative relationship with depressivity among pastoral ministers. 6. Pastors with vulnerable personalities are more affected by depressivity. Unstable and extrinsically oriented chaplains with high neuroticism scores and high self-attention report more depressivity. 7. Pastors who experience gratification crises are more affected by depressivity. Among pastoral ministers, effort-reward imbalance and overcommittment are found to be associated with more depressivity. Lack of professional success, financial worries, and high demands from the community, from superiors, or even on oneself are associated with increased depressiveness. 8. Pastors whose lives are characterized by uncertainty and decline are more affected by depressivity. The influence of crisis experiences (e.g., church transformations through secularization, scandals in the church, loss of authority and membership) can be seen to promote depressiveness. 9. Nevertheless, pastors report a high level of life satisfaction internationally and across denominations. So, despite the increased depressiveness, pastors seem to be simultaneously joyful, happy people. As a conclusion from the nine theses, it can be stated that pastoral ministers have the same vulnerabilities and health resources in relation to depressiveness as other people. Nevertheless, there are also factors that are clergy-specific – especially spirituality, a sense of vocation, and the problem of secularization as a problem of fit between the person and the occupational environment. The empirical results need to be critically reflected upon. There are quite a number of limitations and restrictions. In particular, it must be taken into account that the studies come from very different national, denominational, social, and cultural contexts. In many cases, the samples are too small and not sufficiently representative. In many cases, there are also no suitable comparison groups, so that the results cannot be appropriately classified (for example, in comparison with helping professions or teachers). There are too few qualitative studies and long-term studies. A number of clergy-specific bias effects can be identified (e.g., the challenging environment in which clergy live and work, celibacy as self-chosen solitude), so that the psychological measurement appears to be problematic in some cases (evident, for example, in the large difference between the prevalences of the PHQ and the CES-D. Thus, it is not only what was measured, but also how it was measured that is decisive!). The theses are essentially based on correlations, which do not imply causality. Finally, it is very important to note that the elevated depressivity scores do not indicate an increased pathology of depressive disorders among pastoral ministers. In Part III of this study, the author evaluates for the first time the German Pastoral Ministry Study from 2012-2014 on the health of Catholic pastoral ministers in Germany with regard to depressivity. The author’s own evaluation is supplemented by findings from the literature on the German Pastoral Ministry Study. The sample of the German Pastoral Ministry Study includes 8.574 Catholic pastoral ministers (mean age 56.2 years), from the professional groups of priests (♂; 48.5%), deacons (♂; 12.1%), pastoral assistants (♂♀; 17.7%), and parish expert workers (♂♀; 21.7%). Thus, this is the largest sample of pastoral ministers (42% response rate) included in this research. Depressiveness was measured using the Depr-6 scale of the Brief Symptom Inventory (BSI-18). Results were analyzed as both means and T-scores and compared with the general population and with appropriate comparison groups of Austrian religious teachers and American priests. 18.5% of all German pastoral ministers are above the threshold („caseness”) of the depressivity scale of the BSI-18. From the comparisons, it can be suggested that German pastoral ministers report higher levels of psychosomatic distress: German pastoral ministers report higher depressiveness than the general population, but are significantly below the scores of clinically symptomatic comparison groups (3½-4½ times lower than patients with a depression diagnosis!). Pastoral ministers appear to have at least a similar degree of depressive distress as Austrian teachers (♂♀), German social workers (♂♀), and students (♂♀). Priests report the highest depressivity. Surprisingly, German priests also report almost four times the psychosomatic distress of American priests. The results do not support a pathological interpretation. All nine theses on depressiveness among pastoral ministers can be confirmed or at least suggested based on the results of the German Pastoral Ministry study. In Part IV of the study, three essays provide pastoral psychological and theological reflections on the empirical findings. Three central questions are explored: How should the church deal with the depressivity of its clergy? What are the reasons for the increased depressivity among pastoral ministers? What meaning can be found in depression? The first essay explores concrete practical options for action by the church in the face of pastoral ministers’ depressive burden. The author argues for a healing practice applying a dual approach to depressive pastoral ministers from a medical-psychological state-of-the-art treatment and a theological-salutogenetic understanding of salvation. The offer of medical-psychological help, the destigmatization of those affected, the development of a salutogenetic lifestyle among pastoral ministers and the holistic Christian perspective of salvation in disaster, attention to the sick and criticism of a utopia of perfect health appear to be particularly important here. The second essay asks more specifically about possible explanations for the increased depressiveness of pastoral ministers. Here, a number of psychological and social factors with high explanatory value can be identified: job-related factors (e.g., clergy regularly deal with suffering, guilt, life crisis and death of their faithful); overidentification with profession, vocation, and work; loneliness or lack of social relationships; vulnerable, emotion-centered, and highly sensitive personality structures („constitutional vulnerability” as a resource and risk in pastoral care); individual and organizational selection processes (more depressive personalities tend to be found in the church); experience of gratification crises and of crises in the church and related bias of measurements (e.g., pastoral ministers with their idealism are perhaps more affected by frustration than by depression; intra-church depressive dynamics). Finally, the third essay proposes a theological change of perspective on depressivity that seeks to unfold a liberatingly meaningful potential in depressivity. With all the necessary restraint on interpretations of meaning, which can only be accepted individually and subjectively and are therefore to be understood as constructive suggestions only, the Christian faith can dare an objective overall interpretation of depression or depressiveness. Thus, it is possible to look for meaningful sides of depression („the good in the bad”). Depression can also be interpreted as an anthropological experience of an „existential vulnerability of human being”. In this context, existential vulnerability confronts man with the task of accepting his own finitude and of responding adequately to the loving relationship of God and self („The meaning of man is to be a living limit and to take upon himself and carry through this life of limit.” (Guardini, 1928/1983, p. 56)). Existential vulnerability can find expression in the attitude of the „wounded healer” – a metaphor that can be fruitful for pastoral action. Finally, depression can be viewed in a re-evaluative theology of the paradoxical dialectic of cross (Matt 5:4; 16:24) and joy (John 15:11; Phil 4:4). „Through the cross of Jesus Christ, the experience of the destruction of the human becomes the locus of the experience of the life, power, and fullness of God” (Jacobs, 2000, p. 514). Against all experience, the turn from the cross to joy occurs, even if it is not yet tangible in the present. Pastoral ministers could thus recognize in the cross of depressivity the „time of grace” (2 Cor 6:2), which becomes a deeper joy beyond their experience, which is not identical with salvation, because it is precisely in this that salvation takes place for themselves and for others. From this, in turn, hope can arise for all victims of depression (especially vicariously for all who have committed suicide because of depression). „That is why, for Christ’s sake, I delight in weaknesses, in insults, in hardships, in persecutions, in difficulties. For when I am weak, then I am strong.” (2 Cor 12:10). Pastoral ministers can thus expect the greater from God and still remain empowered to act.

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Metadaten
Verfasserangaben:Marcel Krawietz
URN:urn:nbn:de:0295-opus4-37080
Betreuer:Prof. Dr. Christoph Jacobs, Prof. Dr. Richard Hartmann
Dokumentart:Magisterarbeit
Sprache:Deutsch
Jahr der Fertigstellung:2022
Titel verleihende Institution:Theologische Fakultät Fulda
Datum der Abschlussprüfung:22.07.2022
Datum der Freischaltung:22.12.2022
GND-Schlagwort:Pastoralpsychologie
Seitenzahl:171
Zugriffsrecht:Frei zugänglich
Hochschulen:Theologische Fakultät Fulda
Lizenz (Deutsch):License LogoCreative Commons - CC BY-NC-ND - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International